Bahnhaltepunkt Erfenschlag

Haltepunkt Chemnitz Erfenschlag

Im Mai 2018 jährt sich die Eröffnung des Bahnhaltepunkt für Personenverkehr in Chemnitz-Erfenschlag zum 110. mal...

Haltepunkt Chemnitz Erfenschlag feiert seinen 110. Geburtstag

(Auto: Wolfgang Blaß)

Der erste Haltepunkt für die Gemeinde Erfenschlag lag ab 1877 kurioserweise außerhalb von Erfenschlag und ist der heutige Haltepunkt Chemnitz - Reichenhain. Am 1. November 1905  wurde in Erfenschlag die sogenannte Güterladestelle Erfenschlag eröffnet (Schienenoberkante m ü. NN: 328,91, Strecke: 7,36)(1). Endlich am 1. Mai 1908 erfolgte die Umstufung zum Bahnhof Erfenschlag mit Personenverkehr. Obwohl die Bahnlinie Chemnitz – Aue - Adorf bereits am 07.09.1875 (Bauzeit: 1872 bis 1875)(4,6) für den Personen- und Güterverkehr fertiggestellt wurde, erhielt Erfenschlag wesentlich später seinen Bahnhof. Ein Grund für die verspätete Inbetriebnahme  liegt wahrscheinlich am mangelnden Geld und auch in den unterschiedlichen Meinungen der Erfenschlager Bürger zur Lage des Bahnhofes in der Gemeinde.  Das Unterdorf setzte sich letztendlich gegen das Oberdorf durch. 1907 erfolgte der Einbau eines zweiten Gleises zwischen Chemnitz Hauptbahnhof und dem Bahnhof Einsiedel, dass dann 1946 leider den Reparationsleistungen zum Opfer fiel(4) siehe Abb. 1 unten.             (Abb. 1 - Lageplan Bahnhof Erfenschlag 1938)

Am 1. Juni 1938 wurde der Bahnhof in eine selbständige Dienststelle mit Bahnhofsvorsteher umgewandelt. Zum Bereich der Gemeinde Erfenschlag gehörten mehrere Bahnübergänge mit zum Teil selbständigen Schrankenwärtern(2).

  • An der Walzenmühle, Schrankenwärterhaus (Frau Demisch), km 7,00
  • Paul-Franke-Straße, Schranke wurde vom Bahnhof bedient, km 7,36
  • Dr. Karl-Wolfstraße, wurde vom Bahnhofspersonal (Frau Schneider) bedient gleichzeitig Schranke am Zwönitzufer und Fahrkartenkontrolle, km 7,63
  • Am Zwönitzufer, wurde vom Bahnhofspersonal bedient (siehe Abb. 5)
  • Am Gutsberg, unbeschrankt, km 7,91
  • 2 Übergänge für Bauern, unbeschrankt
  • Lindenstraße (Kurt-Franke-Straße), Schrankenwärterhaus, km 8,54

Abb. 2: 25 Jahre Bahnhof Erfenschlag

Abb. 3:  Blick auf den Bahnhof mit 2 Gleisen

Abb. 4: Bahnhofsgaststätte, im 2.WK bis auf das Erdgeschoss zerstört


Die beiden Gütergleise des Bahnhofes entfielen 1945 und wurden dem „Stahlhandel“ zugeordnet (Abb. 6). Seit dem 1. Januar 1948 unterstand der Bahnhof Erfenschlag dem Bahnhof Einsiedel und verlor somit seine Selbständigkeit(2).

Mit der Eingemeindung von Erfenschlag zu Chemnitz erfolgte am 01.11.1950 eine Umbenennung des Bahnhofes zu Chemnitz-Erfenschlag(5). Mit der erfolgten Zwangsumbenennung von Chemnitz in Karl-Marx-Stadt änderte  sich am 10.05.1953 natürlich auch der Name des Bahnhofes. In den fünfziger und sechziger Jahren erlebte die Strecke nach Aue/Adorf einen normen Aufschwung, sogar Eilzüge (E216) und ein D-Zug (D217) von Dresden nach Aue fuhr montags durch Erfenschlag, allerdings ohne Halt(6)!  

Abb. 5: Bahnübergang „Am Zwönitzufer“

 Abb. 6: Die kläglichen Reste der Güterabfertigungsgleise 2017

Abb. 7 Bahnübergang Paul-Franke-Straße auf der rechten Seite ist direkt der Haltepunkt


Ab dem 01.03.1967 wurde die  Strecke Chemnitz Hbf. – Adorf allerdings dann zur Nebenbahn degradiert(6). Das „Berggeschrei“ nach Uran ebbte auf einer wohl am dichtesten befahrenen  eingleisigen Strecken langsam ab bzw. verlagerte sich in andere Regionen. In diese Zeit fällt auch die Ablösung des Dampfbetriebes (Baureihe 50, 58 und 86) durch Dieselloks (Baureihe 110 und 118).

Mit Verwaltungsreform am 1. Dezember 1967 wurde der Bahnhof  der Dienstelle Karl-Marx-Stadt Süd unterstellt. In den Jahren 1950 bis Ende 1960 war der Bahnsteig in den Morgenstunden reichlich mit Fahrgästen gefüllt. Jeder Dauerfahrgast hatte seinen Standplatz auf dem Bahnsteig „reserviert“. Auch die abendlichen „Lumpensammlerzüge“ waren gut gefüllt. Am 27.09.1975 fuhr, bedingt durch den Talsperrenbau Eibenstock der letzte durchgehende Zug nach Adorf(1).

Die Schließung des kleinen Güterbahnhofes wurde bis 1980 vollzogen.

Am 30.05.1990 erhielt der Bahnhof mit der Rückbenennung von Karl-Marx-Stadt zu Chemnitz seine alten Namen zurück und erhielt das DB-Kürzel: DCE-06625 Hast(1).

Das in die Jahre gekommene Bahnhofsgebäude (Abb. 2) wurde leider im Februar 1993 abgerissen und durch einen modernen, weniger nostalgischen Zweckbau ersetzt. Frau Jähnert verkaufte am 29. Januar im alten Gebäude die letzten Fahrkarten(2) (Abb. 8).

Abb. 8:Frau Jähnert verkauft die letzten Fahrkarten

Abb. 9 Sanierung im Bereich Haltepunkt Chemnitz – Erfenschlag

Abb.10: Haltepunkt Chemnitz-Erfenschlag, saniert


Die Strecke war in einem teilweise mangelhaften Zustand, hinzu kam der PKW-Boom der Neunziger, so dass die Stilllegung der Strecke diskutiert wurde. Mit einem erheblichen Aufwand von 23 Mill. € erfolgte eine umfangreiche Sanierung. Ab 2005 verkürzten sich die Fahrzeiten erheblich und ein Stundentakt wurde eingeführt. Triebwagen vom Typ VT 642 verbesserten den Fahrkomfort(2)

Die landschaftlich schöne Strecke durch das Zwönitztal mit dem “erzgebirgischen Semmering“ wird oft von Sonderzügen genutzt (Abb. 11 und 12)..

Bis voraussichtlich ab Herbst 2019 wird in Erfenschlag eine weitere Haltestelle im Oberdorf mit Inbetriebnahme der Stufe 2 des Chemnitzer Models entstehen. Damit ist der Streit zwischen Unter- und Oberdorf von Anfang 1900 wohl beseitigt. Halbstündlich wird dann eine Straßenbahn in Erfenschlag Halt machen, welche bis Thalheim fahren soll.

Im Bereich Erfenschlag ist kein Unfall bzw. kein Unwetterereignis bei der Eisenbahn dokumentiert.

 

Das aus der Zeit Anfang des 20. Jahrhunderts erhaltene Wartehäuschen auf dem ehemaligen zweiten Bahnsteig sollte als Zeitzeuge rekonstruiert werden.

Abb. 12: Der Fußball-WM-Zug  von 1954 fährt 2008 ohne Halt durch Chemnitz-Erfenschlag

 Abb. 14:  Fahrplan Karl-Marx-Stadt –Adorf,  Auszug aus dem Kursbuch 1957 (3)

Abb. 11: Dampfsonderzug des Eisenbahnmuseums Chemnitz gezogen von 503648-8 zu Weihnachten mit Halt in Chemnitz-Erfenschlag, im Hintergrund das stillgelegte Umspannwerk 


Literatur:

  1. www.sachsenschiene.de
  2. Viehweger, J. : Die Zwönitztalbahn Chemnitz – Aue, Sachsendampf Verlag Jacobi 2006
  3. Ministerium für Verkehrswesen: Amtliches Kursbuch der Deutschen Reichsbahn, Sommerfahrplan 1957
  4. Kaiß, K., Hengst, M.: Eisenbahnknotenpunkt Chemnitz Schienennetz einer Industrieregion 
  5. Bergelt, S.: Auf den Spuren der alten Westsachsenmagistrale, Die Eisenbahnstrecke Chemnitz – Aue – Adorf, 2004, Bildverlag Thomas Böttger
  6. http://www.fhwe.de/inhalte/ca_linie.html

Bildnachweis:

  • Bild 1, 14, 8, Vieweger
  • Bild 6, 9 , 11, 12,  Autor
  • Bild 2 bis 5, 7 : BV Erfenschlag
  • Eventuell Bild 13: Erzgebirgsbahn VT 642

Literatur und Bildnachweis beim Verfasser einzusehen.

Fotos im Slider mit freundlicher Genehmigung von: Buchtitel: Andre Marks, Chemnitz und seine Verkehrswege, Bahn- und Zeitgeschichte, 2017 Verlagsgruppe Bahn GmbH, Fürstenfeldbruck, und Klartext Verlagsgesellschaft mbH Essen.


weitere Bilder zum Thema...

  Bahnsteig mit Dampflock 1982.

Am linken Bildrand das Haus der Paul-Franke-Straße 5, Verdeckt daneben ein Gebäude der ehem. Strumpffabrik, heute IWP. Der kleine Holzschuppen davor, ist das erhaltenswerte Wartehäuschen des 2. Bahnsteiges.

  Bahnhofsgaststätte

  Bahnsteig mit Dampflock 1987

Quelle: Viehweger


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