Erfenschlager Kirchgemeinde in Vergangenheit und Gegenwart


Erfenschlag wird kirchlich seit den Zeiten vor der Reformation von 1517 und danach von der Kirchgemeinde Einsiedel betreut. Die 1827 erbaute heutige St. Jakobskirche von Einsiedel und das dazugehörige Kantorat bilden das Gemeindezentrum. Im August / September 2002 beging die Kirchgemeinde das 175-jährige Bestehen der St. Jakobikirche. Dazu waren eine Reihe von Veranstaltungen und Gottesdiensten vorgesehen. Die Kirchgemeinde umfasst heute die Stadtteile Einsiedel und Reichenhain mit Berbisdorf und Erfenschlag. Seit dem Jahre 2000 ist Johannes Dziubek Pfarrer der Kirchgemeinde.

In einem Gemeindebrief der Kirchgemeinde wird über alle kirchlichen Veranstaltungen und das Leben in der Gemeinde informiert. Kirchliche Veranstaltungen wie Bibelstunde und Gemeindeabende finden in Erfenschlag turnusgemäß bei Gemeindemitgliedern statt.


 

                                                                                                  Eine Gemeinde ohne Kirchturm

Es vollzieht sich im Stillen, das Leben der christlichen Gemeinde in Erfenschlag: Keine Kirche mit einem hohen Turm, von dem die Glocken zum Gottesdienst einladen, zeigt an, dass es in diesem Ort eine zwar kleine, dafür aber engagierte Schar von Leuten gibt, die sich Christen nennen. Schon seit über 450 Jahren ist nachweislich die Einsiedler Kirche auch für die Betreuung Erfenschlags zuständig, d. h. neben den „normalen“ Gottesdiensten sind die Erfenschlager Einwohner zu allen Amtshandlungen wie Taufe, Konfirmation, Trauung und Begräbnis nach Einsiedel gewiesen. Schon seit 1539 ist Erfenschlag „Filial“ von dort, und man kann annehmen, dass dies auch schon in der Zeit vor der Reformation so gewesen ist. Eigene Veranstaltungen wie Bibelstunden und kirchliche Vereinsarbeit wurden seit 1886 in dem neuen Schulgebäude, auf dessen Turm sich ein Geläut aus zunächst zwei, von 1930 ‐ 1942 drei Glocken befand, abgehalten. Durch das ständige Anwachsen der Einwohnerzahl war jedoch mehrfach darüber diskutiert worden, ein eigenes Gemeindehaus mit Kirchsaal und Pfarrwohnung einzurichten. Die zweite Pfarrstelle von Einsiedel, die schon seit der Jahrhundertwende für die Versorgung Erfenschlags mit zuständig war, sollte nach Erfenschlag selbst verlegt werden, wodurch der Ort damals zu einer eigenen Kirche und einem eigenen Pfarrer gekommen wäre! Pläne, die dafür bereits vorlagen, kamen aus unterschiedlichen Gründen nicht zur Ausführung.

Vorbereitung für den Festumzug zur Glockenweihe, Stiefelmühle 1930

 

Der Fabrikbesitzer Oswald Brückner schrieb im Jahre 1927 über die Gemeindesituation in Erfenschlag folgende eindrucksvolle Zeilen:

„Das kirchliche Leben in Erfenschlag liegt sehr darnieder, einerseits durch die politische Einstellung des Gemeinderates, andererseits durch die räumliche Trennung der Gemeinde Erfenschlag von ihrer Kirche in Einsiedel. Ich möchte nicht unerwähnt lassen, dass z. B. der Besuch der kirchlichen Jugendversammlungen, die jetzt in dem Gasthaus "Grossers Restaurant" stattfinden müssen, sehr darunter leidet, da die jungen Leute gezwungen sind, Geld auszugeben, weil sie sich in einem öffentlichen Lokal aufhalten. Außerdem finden die kirchlichen Veranstaltungen, wie Betstunden und Bibelstunden; in dem Schulgebäude statt, und es sind in letzter Zeit des Öfteren in der Gemeinderatsitzung Stimmen laut geworden, die darauf hinzielten, der Kirche die Benutzung der Schule für ihre Zwecke zu entziehen, was beider Einstellung der Linksparteien gegen die Kirche nicht verwunderlich ist...“ Sein Vorschlag war, die alte Schule (Erfenschlager Straße 157) auf eigene Kosten zum Gemeindehaus umzubauen. Doch auch dieser Plan wurde nicht verwirklicht.

Schließlich kam es zu Beginn der fünfziger Jahre doch noch zur Einrichtung einer kirchlichen Versammlungsstätte in Erfenschlag:

„ Es ist dem Kirchenvorstand aufrichtiges Bedürfnis ..., seine und des Erfenschlager Gemeindeteiles große Freude und Dankbarkeit zum Ausdruck zu bringen, dass die Erfenschlager Gemeindeglieder ihre 100 Jahre alte Sehnsucht nach kircheneigenen Räumen erfüllt sehen durften. Der Kirchenvorstand ist sich bewusst, dass die Kosten des Ausbaus der drei gemieteten Räume verhältnismäßig hoch waren. Dafür sind nun der Kirchsaal und die beiden anderen Räume wirklich würdig ausgestattet und zur Aufnahme des kirchlichen Lebens außerordentlich geeignet. Nun stehen sie da wie ein Wunder vor unseren Augen.“ 

Diese euphorischen Sätze richtete der Kirchenvorstand anlässlich der Weihe des Erfenschlager Kirchsaales im Jahre 1951 an das Landeskirchenamt nach Dresden.

 

Kirchsaal 1954

 

Erstmals in der über 500-jährigen Geschichte des Ortes, der ein Jahr zuvor Stadtteil von Chemnitz geworden war, hatten die Christen einen eigenen Kirchsaal im Dorf. Der Weg bis zu diesem Kirchsaal war ein langer und zäher: Nachdem die Kirche in Einsiedel bei dem Luftangriff am 5. März 1945 in Schutt und Asche gesunken war, machte sich der Platzmangel in den geschaffenen Behelfsräumen empfindlich bemerkbar. Dazu kamen noch die „ideologischen“ Differenzen mit dem Staat. Schuldirektor Georg Fischer stellte bereits 1945 ein Klassenzimmer als Festsaal für die sonntäglichen Gottesdienste und den Konfirmandenunterricht zur Verfügung. Nach der Gründung der DDR konnte aber auch er den Druck der staatlichen Schulbehörde nicht mehr standhalten. Der alte Wunsch der Erfenschlager Gemeinde nach einem eigenen Gemeinderaum erhielt erneut Auftrieb.

Im Februar 1951 bot sich eine Gelegenheit zur Schaffung eines solchen in angemieteten Räumen. Diese befanden sich auf dem Grundstück des Tischlermeisters Lohr an der Erfenschlager Straße und waren von diesem nach der Kriegszerstörung schrittweise wieder aufgebaut worden. Um die noch fehlende Ausstattung zu finanzieren, hatte der Tischler eine Stelle im obererzgebirgischen Bergbau angenommen, wo er nach einem schweren Unfall verstarb. Die Witwe des Verunglückten bot den nunmehr leer stehenden großen Werkstattraum mitsamt drei angrenzenden kleineren Zimmern dem Kirchenvorstand Einsiedel zur mietweisen Übernahme an. Daraufhin erfolgte der Ausbau der Räume nach Plänen des Architekten und Kirchbaupflegers Dr. Georg Laudeley aus Chemnitz . Die Kosten in Höhe von 4.500 DM wurden durch Spenden der Gemeinde und durch Beihilfen der Landeskirche gedeckt. So wurden aus der Werkstatt der Kirchsaal und den Nebenräumen das „Lutherzimmer“. 

Am 22. Juli 1951 konnte Superintendent Schulze aus Chemnitz die Weihe vornehmen. Die Einrichtung war zu Anfang sehr bescheiden und wurde erst in den folgendenJahren stückweise ergänzt. So wurden 1965 neue Altargeräte und ein Kruzifix, gefertigt von Herbert Reinhold aus Potsdam, angeschafft und 1979 ein Orgelpositiv aus Augustusburg aufgestellt.

 

 

 

 

Im Sommer 1986 konnten alle Räume vollständig renoviert und neu eingerichtet werden, wobei nahezu sämtliche Arbeiten in Eigenleistung der Gemeindeglieder ausgeführt wurden. Danach zeigte sich der Kirchsaal in einer hellen, modernen Gestalt, die durch die Holzverkleidung der Altarwand sowie den Fußbodenbelag aus roten Klinkern einen geradezu „wohnlichen“ Akzent erhielt.

Im Jahre 1992 mussten die Erfenschlager Gemeindeglieder nach 41 Jahren ihre Versammlungsstätte jedoch schweren Herzens aufgeben. Die nach der Wende allgemein 

erhöhten Aufwendungen für Mieten und Unterhaltungskosten waren von der relativ kleinen Zahl der Gemeindeglieder schwerlich aufzubringen. Der letzte Gottesdienst fand am 12. Januar 1992 statt. Seitdem müssen sich die Erfenschlager Christen wie schon die Generationen viele Jahrhunderte vor ihnen sonntags auf den Weg zur Kirche nach Einsiedel machen, um unter Gottes Wort zusammenzukommen.

Nicht unerwähnt bleiben soll an dieser Stelle der Erfenschlager Posaunenchor, der im Jahre 1947 gegründet wurde und in den Jahren seines Bestehens eine reiche musikalische Tätigkeit entfaltete. Hierbei ist besonders an Walter Uhlig zu denken, der in jahrzehntelanger Treue viele junge Bläser ausgebildet und an die missionarischen Aufgaben der Posaunen herangeführt hat. Die Bläser setzen heute als Teil des Einsiedler Posaunenchores ihre „Arbeit“ fort ‐ gelegentlich auch am Ort ihres früheren Wirkens,

in Erfenschlag.

Quellen: Bürgerverein für Chemnitz-Erfenschlag / 600 Jahre Erfenschlager Straße / Stefan Thiele


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letzte Aktualisierung

26-Sept-17

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