Baumwollspinnerei Schnabel

Von der Baumwollmaschinenspinnerei zur Plüschweberei 

 

Erfenschlag, eingebettet in ein schmales Tal, hat eine interessantere Geschichte als man glaubt. Bereits 1808 wurde hier die Baumwollmaschinenspinnerei der Gebrüder Schnabel nach dem Vorbild der englischen Baumwollmaschinenspinnereien errichtet. Der englische Mechaniker Evan Evans, der schon bei den Gebrüdern Bernhard in Harthau die Maschinen eingerichtet hatte, baute nun auch in Erfenschlag den Maschinensaal auf.

 

Die Steine zum Bau der großen Fabrik konnte man aus dem damaligen nahe gelegenen Steinbruch gewinnen. Trotzdem mussten noch viele Baumaterialien und später auch die Rohstoffe auf noch schwer passierbaren Wegen und Straßen von Pferde‐ und Ochsengespannen transportiert werden.

Eine Eisenbahn gab es noch nicht. Erst 1875 wurde die Strecke Chemnitz ‐ Aue ‐ Adorf/V. gebaut.

 

Es entstanden nach 1808 viele Spinnereien. Die Errichtung von Spinnmühlen bekam starken Auftrieb. Napoleon hatte 1806 die „ Kontinentalsperre“ verhängt und die Ein‐ fuhr englischer Waren verboten. Die Spinnereien hatten dadurch in Deutschland keine englische Konkurrenz zu befürchten. Mit dem Bau der Spinnmaschinen entwickelte sich auch der allgemeine Maschinenbau. Später wurden die Fabriken von Dampfmaschinen angetrieben.

 

Um 1877 betrug die Arbeitszeit durchschnittlich täglich 12 Stunden. Der Lohn war äußerst gering. Ein Maschinenweber verdiente wöchentlich 8,80 Mark. Die Frauenlöhne betrugen im selben Wirtschaftszweig 5,80 Mark. Von diesem Wochenlohn mussten die Arbeiter auch noch das Öl für die Lampe selbst bezahlen. Außer der Frau mussten auch Kinder in den Betrieben mitarbeiten.

 

Die Bauern standen noch schlechter da. Deshalb gingen viele Bauernsöhne in die Fabriken. „ Stadtluft macht frei!“ war die Parole.

Die Fabrik der Gebrüder Schnabel war fast immer eine Spinnerei oder Weberei gewesen. Nur wenige Jahre hatte Ingenieur Dr. Friedrich hier eine chemische Fabrik. Er durfte aber die Abwässer nicht in die Zwönitz leiten, weil sie in trockenenJahren als Trinkwasser benutzt wurde. Nach dem Ersten Weltkrieg übernahmen Speers die nun mit modernen Maschinen eingerichtete Fabrik. Die Erzeugnisse der Firma Otto Speer waren weltberühmt. Sie lieferten ihre Plüschwaren nach Frankreich, Rumänien und England.  

                                                                                                                                                        Anita Otte geb. Gläser, als Schulaufsatz 1957geschrieben, 2002 redaktionell bearbeitet / 600 Jahre Erfenschlager Straße


 

Bei den Bombenangriffen 1945 suchten unsere Familie und die Nachbarn dort Unterschlupf. In der Nacht vom 14. zum 15. Februar 1945 brannte das Gebäude völlig aus. Es stand da als ein glühendes Gerüst. Die große Rotbuche und der Schornstein fielen den Flammen nicht zum Opfer. Sie standen noch bis 1958 unter Natur- und Denkmalschutz. Dann wurden auch sie mit der Fabrikruine beseitigt.

 

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Ruine bis Ende 1958...

Gewerbe in Erfenschlag

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24-Mai-18