Rundwanderweg um Erfenschlag_2019

Informationen zum -Rundwanderweg um Erfenschlag‐ 

Ein kurzer Abriss über die allgemeine Ortsgeschichte, bietet Einführende Informationen zum Stadtteil/Ort Erfenschlag. Die ausführliche Wanderwegbeschreibung geht, unter anderem mit entsprechenden Verlinkungen, näher auf den Ort und dessen Umgebung ein.

 

Seine Länge beträgt ca. 8 km. Man wandert bei einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 3 bis 4 km/h ca. 160 Minuten. Der Schwierigkeitsgrad ist normal bis anspruchsvoll. Es gibt zwei längere Anstiege mit bis zu 15% Steigung als Spitzenwert. Der Wanderweg führt teilweise auch über Einsiedler Flur, weil das nutzbare Wegenetz nicht immer in der unmittelbaren Nähe zur Flurgrenze verläuft. Die Strecke überschneidet sich Abschnittsweise mit dem Zwönitztalwanderweg und einem Mountainbiketrail.

Rundwanderweg - erstellt mit Komoot basierend auf OSM Kartenmaterial
Rundwanderweg - erstellt mit Komoot basierend auf OSM Kartenmaterial

 

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Rundwanderweg Kennzeichnung


Einführende Informationen zum Ort

Geschichtliches

Die erste urkundliche Erwähnung Erfenschlags im Jahre 1402 spricht einer "Erfenschlegere Straße", die als Grenzlinie bei der Markierung der Stadterweiterung diente. Man kann dennoch von einer Besiedlung um oder vor 1300 ausgehen. Vierzehn Bauernhöfe prägten ursprünglich das Ortsbild und stellten die wirtschaftliche Grundlage des Ortes dar. Es sind heute noch Gebäude von einigen Gehöften vorhanden, darunter die von Döhler, Langer, Hofmann, Ullrich, Haase, Aurich und Uhlig. 

 

Als Napoleon am 21. Nov 1806 in Berlin die Kontinentalsperre anordnete, wurde damit auch die Einfuhr von Textilien aus Großbritannien unterbunden. Dadurch entwickelten sich einheimische Industrien auf dem Festland. Auch in Erfenschlag entstanden nun die ersten Baumwollspinnereien. Der bevorzugte Standort beider Fabriken ist heute noch in der Zwönitzkrümmung der Ortsmitte gut zu erkennen. Diese beiden Spinnmühlen legten den Grundstein für weitere Gewerbe im Ort. Sie boten den Einwohnern auch außerhalb der Landwirtschaft Lohn und Brot. Später folgte der Bau einer Getreide- und Ölmühle. Die Getreidewalzenmühle Ernst Stiefel ist noch zu sehen. Die kleine Spinnmühle von 1812, heute Metallbau Delling hat einen verändertem Dachaufbau.
In späterterer Zeit kamen Betriebe der holz- und metallverarbeitenden Industrie (Bartels, Elcamo) und der Textilindustrie (Strumpffabriken Würsig und Martin) hinzu. Die schweren Zerstörungen in zwei angloamerikanischen Luftangriffen am 14.2. und 05.3.1945, forderten 50 Todesopfer. Die meisten Häuser und Betriebe wurden völlig oder teilweise zerstört. Besonders extrem war dies entlang der Zwönitz und der Erfenschlager Straße. 

 

Das Jahr 1950, als Erfenschlag nach Chemnitz eingemeindet wurde. Eine zweischneidige Angelegenheit. Eine Wahl hatte der Vorort nicht. Nach anfänglich guter Entwicklung des Stadtteils stagnierte diese in den 1980er Jahren. Die sozialistische Planwirtschaft war den Anforderungen einer urbanen Umgebung am Stadtrand nicht gewachsen. Der Ort verkam zusehends. Die notwendige Modernisierung in der Verkehrs-, Kommunikations- und Energieinfrastruktur wurden aus Mangel an Ressourcen immer wieder verschoben. Man sah dies dem Ort förmlich an. Erfenschlag war bis weit in die 1990er Jahre hinein von dieser Misswirtschaft gezeichnet. 

Vier Jahre später, im Jahre 1954 suchte Erfenschlag das „Jahrhunderthochwasser" heim. Das davor im Januar 1932 hatte ähnliche Folgen für den Ort. Aber bereits vorher gab es hier schwere Überschwemmungen, wie das Gemeinderatsmitglied, Otto Lohr, in seinem Tagebuch 1897 lebhaft berichtet. Die starke Bebauung der ehemaligen landwirtschaftlichen Wiesenflächen sowie das relativ enge Tal brachten dem Ort auch Überschwemmungen im Jahr 2002, 2010 und 2013. Mittlerweile sind die Hochwasserschutzmaßnahmen im Ort abgeschlossen. Ob diese die gewünschte Wirkung haben, wird sich zeigen. 

 

Nach der Wiedervereinigung traten eine sichtbare Veränderungen des Ortsbildes ein: Steinbergsiedlung oberhalb des Sportplatzes Erfenschlag, Bebauung des angrenzenden Mühlbergs in Reichenhain, Bebauung einiger Flurgrundstücke mit Eigenheimen (Haase und Uhlig), Sanierung der Erfenschlager Straße und Bau des Kreisverkehrs an der früheren "Einnahme", Neubau eines Funktionsgebäudes (Gerätehaus) für die Erfenschlager Feuerwehr sowie ein Produktionsgebäude der Bäckerei Voigt.

 

Besonderheiten der Ortslage 

Das Ortsbild von Erfenschlag wird ganz wesentlich durch das Zwönitztal und die es umgebenden Höhen geprägt; Schusterberg (Steinberg), Eibischbusch, Gutsberg und Pfarrhübel. Es erstreckt sich in westöstlicher Richtung, wodurch zwei dominante Hanglagen entstehen: Der ganzjährig sonnenbeschienene Südwesthang des Steinbergs und der schattigere und damit kühlere Nordwesthang des Gutsbergs. Daraus erklärt sich auf natürliche Weise die hohe Besiedlungsdichte des Steinbergs und die menschenleere, höchstens von Rindvieh beweidete Hochfläche zwischen Gutsberg und Eibischbusch. Und am Beginn des Zwönitztals liegt nun der kleinste Stadtteil von Chemnitz. Der Ort entwickelte sich entlang der Zwönitz vom Wasserwerkspark bis zum Staats- und Gemeindewald Eibischbusch. Die Natur am Rande der Stadt und die wechselnden Aussichten waren Veranlassung für den Bürgerverein Chemnitz-Erfenschlag e.V. diesen Wanderweg vorzuschlagen.

 

Erfenschlag gilt meteorologisch auch als sogenanntes Kälteloch. Nach Sonnenuntergang strömt wesentlich kältere Luft talwärts, was sich durch eine kühle Brise im Tal bemerkbar macht, während es auf dem Steinberg durchaus noch länger ein paar Grad wärmer ist. Die Tallage leider auch zu harten Spätfrösten zwischen März und Mai. 

 

Die Nordrandstufe, bildet den Beginn des Erzgebirges. Die Stadt Chemnitz, geographisch noch in der Vor-Erzgebirgssenke gelegen, wird im Süden bereits von den ersten Ausläufern des Erzgebirges flankiert. Mit der Nordrandstufe erhebt sich das Erzgebirge stufenartig aus dem Chemnitzer Becken und erreicht schnell bis zu 500 Höhenmeter. Dabei ändern sich auch die Gesteinsschichten von Rotliegendem Sedimentgestein mit überlagernden eruptivem Porphyr Tuff hin zu Böden mit Phyllit Gestein. Die steilen Anstiege der südlichen Ausfallstraßen von Chemnitz (B174 Zschopauer Straße, die B95 Annaberger Straße, aber auch die Augustusburger Straße) machen dies deutlich. Von diesen Ausfallstraßen ist das Chemnitzer Becken mit der gesamten Stadt gut zu überblicken.

 

Der Gemeindekern 

Der Ausgangspunkt unserer Wanderung ist immer das Kaffeehaus Voigt an der Erfenschlager Straße. Das Gebäude war ein Neubau der Sparkasse Chemnitz, als Zweigstelle in Erfenschlag Mitte der neunziger Jahre eröffnet. Vorher stand an der Stelle ein Textil- und Kurzwarenladen. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite direkt an der Steinbergauffahrt steht links ein Wohnhaus, welches vormals eine Grünwarenhandlung und später das Postamt von Erfenschlag war. Auf der rechten Seite steht noch eine der alten Schmieden von Erfenschlag. Das Hufeisen über dem damaligen Türbogen ist ein letzter Hinweis. Daneben steht das Rathaus, gebaut 1907, seit der Eingemeindung 1950 ohne Funktion für die Verwaltung des Ortes. Es diente im Laufe der Zeit als Sparkasse, Bibliothek, Zahntechniklabor und Stützpunkt der Volkssolidarität bis Mitte/Ende der 1990er Jahre. Das Gebäude wird heute vom Verein Kinder-, Jugend- und Familienhilfe Chemnitz e.V. als Kindergarten "Leonardo" genutzt. Weiter landwärts blickend, sieht man auf einer kleinen Anhöhe stehend, die Erfenschlager Schule, erbaut 1886, geschlossen nach der Wende. Unter Denkmalschutz stehend, war es eine Zeit lang ungenutzt, ist nun saniert und zu einem schönen Mehrfamilienhaus umgebaut. In der Grünanlage rechts daneben befindet sich der Glockenturm von Erfenschlag und ein Mahnmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges aus dem Ort. Rechts gegenüber dem Rathaus das ehemalige bekannte "Kaffee Weber". Es hatte im Laufe der Geschichte mehrere Besitzer. Es eröffnete später als "Kaffee Zentral", wurde "Sachsenquelle" und am Ende unter dem Namen „Zum Eisenbahner“. Heute ist in dem Gebäude die Verwaltung der Bäckerei Voigt untergebracht. Neben dem Kaffeehaus Voigt befindet sich stadteinwärts der ehemalige Gasthof Erfenschlag, ehemals Restaurant mit Ballsaal am Bahnhaltepunkt. Nach dem zweiten Weltkrieg trug man die oberen Stockwerke ab. Im Gebäude wurden später eine Autowaschanlage und ein Imbiss dahinter betrieben. Heute wird es von der Firma Felgenservice Chemnitz genutzt. Gegenüber auf der anderen Straßenseite steht erhöht ein Haus mit Anbau. Es diente früher als Tischlerei und später als Kirchsaal. Erfenschlag besaß nie ein eigenes Gotteshaus. Die Bewohner mussten stets nach Einsiedel zum Gottesdienst. Gleich an der Straßenecke steht eine große alte Eiche, ein Wahrzeichen von Erfenschlag. 

Und in diese Richtung beginnen wir unsererseits die Wanderung...

Kaffeehaus Voigt_Mai18 / Quelle: Bürgerverein
Kaffeehaus Voigt_Mai18 / Quelle: Bürgerverein
Sportlerheim/Mediterraneum_Mai18 / Quelle: Bürgerverein
Sportlerheim/Mediterraneum_Mai18 / Quelle: Bürgerverein
Walzenmühle_Mai18 / Quelle: Bürgerverein
Walzenmühle_Mai18 / Quelle: Bürgerverein

Wir beginnen unsere Wanderung in Richtung dieser Eiche

…Richtung Eiche gehend links abbiegen in die „Paul-Franke Straße“ 

Das Gast- und Ballhaus „Bahnhof Erfenschlag“ mit seinem wunderschönen Kastaniengarten, oder was davon übrig ist. 

Die heutige Ruine der damaligen Ausspanne und Bahnhof Reichenhain an der Erfenschlager Straße, auch bekannt als Barbarina, war früher der Bahnhof für Erfenschlag. Die Gemeinde hatte ihren Bahnhof lange Zeit außerhalb des Ortes. Obwohl bereits 1875 die Bahnlinie Chemnitz-Aue-Adorf (V.) eröffnet wurde, bekam der Ort erst 1908 seinen Personenhaltepunkt. Als Gründe dieser Verzögerung können Geldnot, sowie die unterschiedlichen Meinungen der Erfenschlager Bürger über den zukünftigen Standort des Haltepunktes im Ort, aufgeführt werden. Schließlich wurde aus einem Teil des Güterbahnhofes der Bahnhof Erfenschlag.

Nach dem Bahnübergang befindet sich links das Denkmal von Paul Franke, der als junger sozialdemokratischer Arbeiter hier von den Nazis 1933 ermordet wurde.

 

…abbiegen rechts in die Straße „Am Zwönitzufer“ 

Das Haus Am Zwönitzufer 2 ist eines der ältesten Häuser von Erfenschlag. Erbaut 1822, war es bis nach 1945 Wohnhaus und Lebensmittelgeschäft. Dem ein oder anderem Betrachter der beiden Hochwassermarken von 1954 und 2002 an der Hausecke wird sicherlich bewusst, welche Wassermassen sich damals hier über die Dorfstraße ergossen. Die neue Brücke ist auch Bestandteil der Hochwasserschutzmaßnahme. 

Der Straße entlang bis zu einer Kreuzung folgend... 

 

…abbiegen links in die Straße „An der Walzenmühle“ 

Brücke an der Walzenmühle. Das große helle Gebäude rechts an der Straße ist das ehemalige Fabrikgebäude der Firma Richter. Sie stellte während des zweiten Weltkrieges Elektrobauteile, wie zum Beispiel Relaisspulen, für Kriegsgeräte her. Nach 1945 enteignet und später als Grundschulgebäude genutzt, war es damit das vierte Schulgebäude von Erfenschlag. Die beiden ersten Schulen befanden sich in der Zwönitzkrümmung gegenüber dem Gutberg. Das erste Schulgebäude, eine Fabrikschule, wurde Mitte der 1980er Jahre abgetragen. Das zweite Schulgebäude von 1868 ist als Wohnhaus an der Erfenschlager Straße 157 neben neuen Einfamilienhäusern noch zu sehen. Die dritte und größte Schule von 1886 ist heute ebenfalls ein Wohngebäude. Hinter dichtem Blattwerk, jenseits der Zwönitz, steht ein großer Ziegelbau. Das Umspannwerk Erfenschlag hatte seine Außerbetriebnahme im April 2002. Hinter dem Werksgelände beginnen bereits die, zur Wassergewinnung angelegten, Rieselflächen und Streuobstwiesen des Wasserwerkspark. Dort befindet sich ebenfalls, abgelegen und schlecht zugänglich, der vermutlich älteste Baum im Chemnitzer Stadtgebiet. Am Rande der Erfenschlager Flur, unweit der Zwönitz, steht eine ca. 200 Jahre alte Linde.

Ein paar Schritte weiter kommt ein imposantes altes Bauwerk in Sicht. Die Walzenmühle Ernst Stiefel eine alte Getreidemühle. Sie wurde 2001/02 zum Wohnpark umgebaut und nach der Fertigstellung durch das August-Hochwasser 2002 gleich wieder in Mitleidenschaft gezogen. Umso beachtlicher ist es, dass es Investoren gab, die sich um eine solche altehrwürdige und für die Gemeinde historisch bedeutsamen Immobilie von Erfenschlag bemühten. Die Mühle kann 1798 in den Besitz der Familie Stiefel und war von 1945 bis 1955 noch in Betrieb. Unter falschen Beschuldigungen wurde dem letzten Besitzer, Paul Stiefel, der Prozess gemacht. Das Gebäude wurde der LPG zur Nutzung übergeben. Nach der Wende wurde Paul Stiefel rehabilitiert.

 

…abbiegen links in den Zwönitztalwanderweg 

Wenn man der Straße folgt, kommt man, nach guten 100 Metern rechts abzweigend, in 10 Minuten in den Wasserwerkspark. Wir folgen dem hier beginnenden Waldweg nach links. Auf diesem Teilstück der Rundwanderung verläuft ebenfalls der Zwönitztalwanderweg. Wandern durch den Hangwald mit Teufelskanzel und Rehwiese. Der Weg verläuft zu Beginn hinter der Walzenmühle und später der oberhalb der Zwönitz im Nordhang entlang. Unterhalb liegen Inselsteig mit der alten Dorfstraße. Wir machen zunächst einen kleinen Linksbogen um das Döhler-Gut herum und bewegen uns auf einem schmalen Weg durch den Wald. Mächtigen Buchen säumen den Pfad. Kurz vor seinem Ende teilt er sich. Wir nehmen den rechten Abzweig. An der Kehre der steilen Gutsbergauffahrt wieder auf festem Untergrund kommend, gehen wir...

Osterquelle im Hangwald / Quelle: Bürgerverein
Osterquelle im Hangwald / Quelle: Bürgerverein
Pionierschanze in den 1950-60er Jahren / Quelle: Bürgerverein
Pionierschanze in den 1950-60er Jahren / Quelle: Bürgerverein

Dieser Abschnitt ist optional, es ist ein kurzer Abzweig zum ehemaligen Wintersporthang

 

...zunächst ca. 200m bergab zum Auslauf des ehemaligen Wintersporthanges 

Unten befindet sich, von der Straße begrenzt, eine große Wiese, der ehemalige Auslauf von Slalomhang und Sprungschanzen. Die erste Sprungschanze in Erfenschlag wurde Anfang der 1920er Jahre erbaut und ist nachweislich die erste beleuchtete Nachtschanze Deutschlands gewesen. Sprungweisen bis zu 31 Meter. Wenn wir der Straße folgen würden, kämen wir zur kleinen Villa Haus Grosse am Gutberg. Erbauer war Alfred Grosse, der mit seiner Baufirma in Erfenschlag und Umgebung in den 1930er Jahren zahlreiche Mehr- und Einfamilienhäuser baute. Diese Häuser erkennt man an den typischen Natursteinsockeln aus Harthauer Porphyr. Der Wiese gegenüber, über die Zwönitz und Bahnstrecke, befand sich ehemals Uhligs Restaurant. Ein sehr beliebtes Ausflugslokal. Es hatte einen guten Blick auf Sprungschanze und Slalomhang. Nach dem Krieg wurde es mit reduziertem Obergeschoß wiederhergerichtet. Mit Beendigung der Gastwirtschaft verfiel das Gebäude zunehmend, bis es, in den 1990er Jahren wegen Baufälligkeit, abgerissen wurde. Der ehemals weitläufige Wiesenhang war Ski- und Slalomhang. Zwischen 1920 und 1960 war er der beliebteste Slalomhang von Chemnitz. Die damalige Skisprungschanze befindet sich heute hinter dem Waldrand, ist bereits sehr verwachsen und nur noch schwer auszumachen. Wir begeben uns wieder auf den mühevollen Rückweg, den Gutsberg aufwärts.


Postkartenansicht am Zwönitzbogen
Postkartenansicht am Zwönitzbogen
Postkartenansicht der Gutsbergauffahrt
Postkartenansicht der Gutsbergauffahrt

…der Straße folgend bergauf - Aufstieg am Gutberg

Nachdem man den steilen Straßenzug mit Kehre hinter sich gelassen hat, erreicht man das Ende der Nordhangbebauung von Erfenschlag und wird mit einem ersten Blick auf den gegenüberliegenden Steinberg belohnt. Der Hangwald war zu früheren Zeiten nicht so üppig, sodass damals auch bereits eher ein Blick auf den Südhang von Erfenschlag mit dessen Bebauung möglich war. Eine rustikale Sitzbank lädt zum Verweilen ein. Zeit für eine kurze Pause. Ein weiterer kleiner Anstieg folgt. Beim Fortschreiten auf dem Feldweg kommt links über die weite Wiesen- und Nutztierfläche hinweg der Staats- und Gemeindewald Eibisch‐Busch in Sicht. Nun sind auch markante Strukturen im Ort sowie der Steinberg-Siedlung und Mühlberg-Siedlung besser zu erkennen. Das Sportlerheim Erfenschlag mit Turnhalle fällt dem Betrachter förmlich ins Auge. Im Tal zeigt sich der Zwönitzbogen mit dem ersten industriellen Standort von Erfenschlag. Leider nicht mehr zu sehen ist die 1808 erbaute Baumwollspinnerei Schnabel, später die Speersche Plüschweberei. Sie wurde im Krieg völlig zerstört und 1959 komplett beseitigt. Diese Mühle war in ihrer Bauweise und Lage das Ortsbild prägende Gebäude gewesen. Ein weiteres Fabrikgebäude der Gebrüder Schnabel ist als markantes Mühlengebäude, heute Metallbau Delling, mit verändertem Dachaufbau noch erhalten. Im Tal sind einige der 14 alten Bauernhöfe des Ortes zu sehen.

 

...dem Nutz- und Landwirtschaftsweg links bergauf folgend 

Auf der angelegten LPG-Straße gehen wir ein Stück bergauf Richtung Einsiedel. Auf der Kuppe kommt ein einzelner Baum in Sicht. An der Wegkreuzung dort oben geht es dann wieder talwärts nach Einsiedel. Soweit gehen wir nicht. Hundert Meter vorher steht am linken Wegrand ein Wegweiser mit einem Pfad über die Wiese zum Waldrand hin. Hier lohnt ebenfalls noch einmal der Blick nordwärts Richtung Stadt. Auf halber Höhe bietet sich ein guter Überblick und Eindruck von den weitläufigen landwirtschaftlichen Nutzflächen. Ein Panoramablick aber auch auf die vielen Türme und Dächer der Stadt. Am Waldrand stehen einige alte Bäume sowie ein weiterer Wegweiser. Wir folgen den Weg linkshaltend in den Wald hinein. Alsbald geht es, im dichter werdenden Wald, bergab und das Nadelgehölz weicht nun mehr und mehr einem Laubwald.

 

...erste Grundstücke rücken näher 

Nach längerem bergab und einer leichten Biegung im lichten Laubwald, rücken Gärten ins Blickfeld. Wir laufen wir noch ein Stück parallel zu einem Grundstück, bevor wir dann links in eine asphaltierte Siedlungsstraße einbiegen und den Wald damit vorerst verlassen. Ein Andreaskreuz ohne Bahnübergang ist auszumachen. Es beginnt eine Eigenheimsiedlung. Dieses Teilstück der markiert in etwa die Hälfte der Rundwanderung. Weiter bergab, der Straße folgend, erreichen wir eine Kreuzung, an der wir und nach links wenden.

 

...ein Abschnitt auf der Straße 

Wir blicken der geraden Straße entlang in Richtung Ort. Zu sehen ist der alte Verlauf der Erfenschlager Straße. Dieser Straßenabschnitt nennt sich im lokalen Volksmund „Angst ’n Bang“, deutlich gemacht durch ein schönes Schild im Vorgarten eines der ersten alten Häuser. Eine Namensbegründung dazu findet sich auf der Webseite Heimatwerk-Einsiedel.de. Bahngleise verlaufen jenseits eines Grünstreifens. Früher floss die Zwönitz in einem größeren Bogen bis an die heutigen Gleisanlagen heran. Das Flussbett wurde in den 1930er Jahren verlegt. Danach konnte die heutige Streckenführung der Erfenschlager Straße realisiert werden. Dies führte zur Einsparung zweier Bahnübergänge für den Durchgangsverkehr. Das war eine enorme Erleichterung, denn die Bahnlinie war damals viel stärker frequentiert. Hinter den Schienen und der heutigen Straße ist, leicht erhöht, ein Kleingartenverein sichtbar. Früher war an diesem Platz ein weiterer Sportplatz von Erfenschlag, zu DDR-Zeiten auch eine Müllhalde.
Wir sind wieder auf Erfenschlager Flur. Auf gut der Hälfte des Straßenzuges gibt ein Straßennamensschild einen Hinweis zur Ortsgrenze von Erfenschlag und Einsiedel. Aufmerksame Beobachter können dies auch anhand der unterschiedlichen Bordsteinarten des Fußweges ausmachen.

 

...am Bahnübergang 

Oberhalb des Bahnwärterhäuschens im Wald gelegen ist noch der frühere örtliche Steinbruch zu erkennen, welcher ebenfalls im Bauboom der 1920er Jahre stark genutzt wurde. Hier endet der alte Straßenabschnitt, und es kommt eine beiderseitige Bebauung der Erfenschlager Straße in Sicht. Wir folgen der Straße ein Stück ins Ortsinnere. Es ist zu beachten, dass unser Ort am Ende des 2. Weltkrieges zu knapp 90% zerstört wurde. Viele Häuser sind also nicht das Original an Grundstücksbebauung, und einige Flurstücke stehen immer noch leer. Die große Vielfalt der heutigen Ortsbebauung bildet sozusagen über 100 Jahre Häuserbau ab. 

 

...eine unscheinbare Brücke zur Rechten 

Orts einwärts gesehen auf der rechten Straßenseite laufend, kommt auf Höhe der Erfenschlager Straße 179/177 bald ein Wegweiser „Zwönitztalweg“ und schmaler Durchgang in Sicht. Hier überqueren wir mittels einer Fußgängerbrücke die Zwönitz. An dieser Brücke staute sich bei dem Hochwasser im Jahr 2013 besonders viel Treibgut. Dabei wurde ebenfalls das Flussbett unter ihr ausgespült. Die Sicherheit der Brücke war nicht mehr gewährleistet und musste entfernt werden. Die Stadt Chemnitz schien dabei kein besonderes Interesse daran gehabt zu haben die Brücke zu erneuern. Auf Betreiben von Anwohnern und des Bürgervereins wurde schließlich Ende 2016 ein höher gelegener Brückenneubau fertig gestellt. Ein Schild erinnert. Nach der Zwönitz-Überquerung befindet man sich auf einem romantischen Wald- und Wanderweg, Klein-Schweizertal genannt. Eine ehemalige, hier angrenzende Gaststätte, gab den Namen dafür. Für müde Beine lässt man sich kurz nieder. 

Flussabwärts führt ein alter Weg, der bis zum Grundstück der früheren Speerschen Villa und Plüschweberei führt. An ihrer Stelle wurde nach dem 2. Weltkrieg ein Kindergarten errichtet, welcher mit dessen Schließung 1990 nun dem Verfall Preis gegeben wird. Offiziell endet der Weg hier, das war nicht immer so. Es macht sich ein kleiner Umweg erforderlich. Fast am Ende des Weges, aber noch vor einer Finnhütte, rechts den Hang hoch zu steigen und anschließen die am Waldrand befindliche Wiese zu queren. Man befindet sich am Südlichen Rand der Steinberg-Siedlung und der Feldweg bergab bring den Wanderer in gut 200 Metern wieder auf die Erfenschlager Straße. 

Dies wäre eine zeitlich und streckentechnisch große Abkürzung. Wäre...

 

...an der Bank den Fluss aufwärts laufend 

Es sind Reste alter Mühlgräben vorhanden, wir laufen teilweise darauf. Unter Denkmalschutz stehend, sind diese Gräben in der Region einzigartig. Entlang der Zwönitz sieht man aktuelle und vergangene Flussbefestigungen und Hochwasserschutzmaßnahmen und immer wieder Felsen.

Auf dem Steinberg ins Tal blickend / Quelle: Bürgerverein
Auf dem Steinberg ins Tal blickend / Quelle: Bürgerverein
auf dem Steinberg / Q: Bürgerverein
auf dem Steinberg / Q: Bürgerverein
Auf dem Steinberg ins Tal blickend / Quelle: Bürgerverein
Auf dem Steinberg ins Tal blickend / Quelle: Bürgerverein

...wir haben die Wahl, der Unterschied ist marginal 

An der Weggabelung erneut eine Bank, ganz in Blau und bunt bemalt. Ein Projekt des Kindergartens Kreativ-Villa und des Vereins. Auf dem oberen Weg zur Linken läuft man durch den Wald. Der untere Weg zur Rechten verläuft entlang der Zwönitz und einigen Wassergrundstücken, lokal scherzhaft auch "Klein-Venedig" genannt. Zeitlich und längenmäßig spielt es keine Rolle, wo wir entlanglaufen. Auf beiden Wegen kommen wir am Kreuzungspunkt Niederwaldstraße und Lehmgrubenweg am Waldrand wieder hervor. Bereits wieder auf Einsiedler Flur weilend, können wir hier am Wassertretbecken (Kneipp-Becken) eine Rast einlegen. Denn ein letzter Aufstieg steht uns auf unserer Wanderung noch bevor. Von ABM Kräften angelegt, fängt das Becken hier nie versiegendes Bergwasser auf. Es ist beliebter Treff- und Ruhepunkt von Bewohnern und Wanderern. Knapp 100m Richtung Osten befindet sich die aktuell nur mäßig genutzte frühere Einsiedler Papierfabrik. In weiteren 100 Metern steht das Einsiedler Gymnasium.

 

...um das Wasserbecken komplett links herum 

Den ebenfalls in den Niederwald aufsteigenden Lehmgrubenweg lassen wir rechter Hand liegen und schlendern gemütlich dem alten Pfaffensteig folgend Richtung Schusterberg (Steinberg) bergauf. Alsbald erreicht man den Waldrand und blickt auf freies Feld. Zur Linken sieht man auf das Ende der Schusterbergsiedlung (neue Steinbergsiedlung). Leicht rechts erhebt sich die bewaldete Kuppe des Schusterberg. Warum Schusterberg? Vielleicht lässt sich dieser Name auf einen Schuster am Fuße des Berges zurückführen. Wir wissen es nicht. Für die meisten Einwohner des Ortes bleibt er der Steinberg, denn auf Ihm gab es sehr wohl einen Steinbruch. An der Weggabelung zwischen drei Feldern gehen wir nach rechts und gleich wieder links hoch in Richtung Bergkuppe. Der letzte Anstieg.

 

...auf dem Schusterberg/Steinberg 429m üNN

Der Schusterberg (Steinberg). Gleichfalls ein wunderschöner Aussichtspunkt über Hügel und Hänge, welche wir kurz zuvor selbst beschritten haben. Südlich im Hintergrund der S neuen Siedlung erhebt sich der Gutsberg am Waldrand, gefolgt von den Wiesenflächen des Oeserhangs, welcher später in den Eibisch-Busch nach Einsiedel übergeht. In westlicher Richtung erheben sich die Ausläufer des städtischen Wohngebietes Fritz-Heckert. Nördlich gelegen und markant zu erkennen ist die Antenne auf der Reichenhainer Höhe. Der Feldweg in nordöstliche Richtung führt hinauf zur Zschopauer Schnellstraße sowie den Stadtteilen Adelsberg und Altenhain. Um diesen Ausblick ein Weilchen in Ruhe auf sich wirken zu lassen, sollte sich der dort befindlichen Sitzbank bedienen.

Schusterbergsiedlung / Quelle: Bürgerverein
Schusterbergsiedlung / Quelle: Bürgerverein
Steinberg mit Feld / Quelle: Bürgerverein
Steinberg mit Feld / Quelle: Bürgerverein

Am Scheideweg, durch Wald oder Wohnsiedlung?


Variante A - durch den bewaldeten Preußnergrund am Grenzbach entlang des früheren Erfenschlager Bades zurück zum Ausgangspunkt

...wir wählen einen anderen Weg 

Der alte Pfaffensteig verläuft hier schräg über das Feld, in die im Preußnergrund liegende Fichtenschonung. Er ist oftmals umgepflügt, aber dennoch erkennbar und begehbar. Wieder im Wald zweigt ein Weg, noch vor dem Grenzbach in der Senke, links ab. Diesen folgend erreichen wir bald das stillgelegte Erfenschlager Sommerbad. Zwei Vereine aus dem Ort und die Gemeinde Erfenschlag bauten gemeinsam bis 1931 einen Teich zum Naturbad Erfenschlag aus. Später wurde es in mehreren Stufen erweitert. Bereits 2014 außer Betrieb genommen verkommt es zunehmend. Der Bürgerverein für Chemnitz-Erfenschlag e.V. kämpft seit 2015 für den Erhalt und der Fortführung des Bades sowie dessen Badebetrieb. Bislang leider erfolglos. Obwohl schlüssige Sanierungs- und Betriebskonzepte vorliegen, stellt sich die Stadtverwaltung, auch gegenüber Beschlüssen des Stadtrates, stur. Dass es auch anders funktioniert, zeigen Freibäder in anderen kleineren Ortschaften. Dem Freibad gegenüber ist ein alter, in der jüngeren Vergangenheit als „Felsenbühne“ bekannter Veranstaltungsort, Steinbruch zu sehen. Erfenschlag besaß davon fünf insgesamt. Kultureller Höhepunkt auf dieser war ein Konzert der "Randfichten" im Jahr 2000. Direkt am Ende des Badgeländes zweigt rechts ein Weg hinauf zum Reichenhainer Mühlberg ab. 

 

Wir folgen der Straße „Am Erfenschlager Bad“ weiter…

Variante B - durch die Steinberg Siedlung auf der „Albert-Junghans-Str.“ am Sportplatz und Sportlerheim (Mediterraneum) vorbei, zurück zum Ausgangspunkt. Das ist der offizielle und beschilderte Wanderweg.

...den Feldweg bergab - mit der Stadt im Blick voraus 

Am Ende des Feldweges beginnt die „Albert-Junghans-Straße“, welche bis zur Erfenschlager Straße hinunter verläuft. Die Steinberg-Siedlung hat ihre Anfänge in den 1920er Jahren, Wohnraumnot lies in Erfenschlag eine Baugenossenschaft entstehen, welche mit der Zeit den Berghang erschloss. Eine letzte Erweiterung der Siedlung gab in den späten 1990er Jahren. Auf dem Südwesthang gelegen, erhält die Siedlung ganzjährig Sonnenschein, ist aber wegen freier Lage stark den Luftströmungen ausgesetzt. Nach einigen Metern kommen der Sportplatz, mit dem im Bauhausstil errichteten Sportlerheim, heute Gaststätte "Mediterraneum", und die Turnhalle in Sichtweite. Seit 1930 liegt hier das Sportzentrum des Ortes. 

 

...dem Straßenverlauf weiter bergab folgen

 

 

Artikel über die örtlichen Sportplätze in Arbeit


Blick auf den Steinberg / Quelle: Bürgervereinl
Blick auf den Steinberg / Quelle: Bürgervereinl
Blick auf den Steinberg / Quelle: Bürgerverein
Blick auf den Steinberg / Quelle: Bürgerverein

Auf den letzten Metern des Weges laufen die beiden Straßen „Am Erfenschlager Bad“ und „Albert-Junghans-Str“ an der Erfenschlager Straße zusammen. Das dortige Anwesen mit dem umfassenden Areal ist die ehemalige Villa Wohlgemut, heute von einer Kindertagesstätte genutzt. Auf der anderen Straßenseite befinden sich eine Autowerkstatt und kleine Pferderanch. Wir biegen links ab, und gelangen damit wieder zum Kaffeehaus Voigt zurück. Der Kreis hat sich geschlossen. Erfenschlag wurde umrundet.

Das Original wurde 2002 von Gert Richter anlässlich der Eröffnung des Rundwanderweges und der ersten Wanderung des Bürgervereins erstellt. Im Jahr 2016 wurde der Bericht erstmal grob angepasst. Nun, 2019, wurde die Originalfassung komplett überarbeitet und neu verfasst. 

Literaturhinweise:

  • 600 Jahre Erfenschlager Straße 
  • Flächennaturdenkmal Wasserwerkspark 
  • Roland 02/19 Lfd. Nr.: 76 - Bahnhaltepunkt Erfenschlag 
  • Das Zwönitztal (Löscher)


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